Einen Konflikt gewinnst Du …

 

… nämlich gar nicht. Zumindest nicht als einziger.

 

DAS wichtigste Vorweg:

Ein Konflikt ist immer dann ein „guter“ Konflikt, wenn beide Parteien (wir gehen jetzt mal von zwei Parteien aus) als „Gewinner“ hervorgehen. Gewinner bedeutet im Konfliktfall, dass die Parteien ihre Ziele nicht vollends aufgeben müssen. Denn in jedem Konflikt geht es um die eigenen Ziele. Sei es etwas „richtig zu stellen“, etwas zu bekommen (meistens will man Recht bekommen), seine eigenen Werte zu verteidigen und die Werte der Gegenpartei niederzumachen (weil es ja nicht meine eigenen sind), uvm.

 

Entschleunigung führt oft zu „Entladungen“

Getrieben durch den globalen Wandel, der Digitalen Transformation und noch viel mehr, dass immer mehr Veränderung in unser Leben bringt, haben wir mittlerweile einen sehr hoch getakteten Alltag. Hinzu kommen all die Dinge, die auch schon vor der Digitalen Transformation & Co. da waren und „schwer“ wiegen: Karrieredruck, Verantwortung für andere Menschen (in der Familie und im Beruf), finanzielle und gesundheitliche Verantwortung … das Übliche aus einem ganz normalen Leben eben.

Heute ist alles gefühlt schneller, größer und komplexer. Viele Menschen haben das Gefühl nicht mehr „mitzukommen“. Auch aufgrund dieses Gefühls, lesen, sehen und hören wir mehr. Nicht nur passiv. Wir sind ständig (für den Einen bedeutet das jede Minute, für den anderen jede Stunde) online. Online passiert viel. Da wollen wir mitkommen. Daraus entstehen dann wieder Aktivitäten, die wir früher erst viel später (und vielleicht auch mit mehr Ruhe) angegangen wären.

Ein Beispiel: Ein neues Buch erscheint. Auf dieses Buch wartest Du schon sehnsüchtig. Im Moment der Publikation erfährst Du, dass es – sofort – online zu lesen ist. Obwohl Du nun ein Berg voll Arbeit vor Dir hast, liest Du „mal schnell“ das Buch (vielleicht verbindest Du es thematisch auch mit der Arbeit, dann ist Dein Gewissen vollends beruhigt). Das Ergebnis ist, dass Du Zeit investierst, Extra-Zeit. Aber woher nimmst Du die „Extra“ Zeit?

Keine Extra Zeit

Somit haben wir weniger Zeit, weniger Zeit für wichtiges. Wichtiges, wie beispielsweise noch offene Konflikte klären. Aber das machen wir nicht. Weil wir keine Zeit haben. So sieht auch unser Alltag aus, ständig „busy“, ohne (oder sehr seltene) Momente der Entschleunigung. Deswegen „tragen“ wir viele offene Themen mit uns herum … bis an Weihnachten.

Weihnachten ist so ein Moment der Entschleunigung. Mindestens zweieinhalb (immerhin!) Tage wo es relativ schwierig ist, wirklich „busy“ zu sein. In dieser ruhigen Zeit kann es vorkommen das schwelende Konflikte – die lange nicht angegangen werden konnten – jetzt auf den Tisch kommen. Auch wenn ein Thema nicht immer direkt angesprochen wird. Das da „was ist“, ist merkbar (nicht für jeden natürlich …). Außerdem ist die Weihnachtszeit nicht dafür vorgesehen. Ein Eskalationsmeeting daraus zu machen, ist ja nicht gewünscht. Oft passiert aber genau das, auch wenn nur in einem „Kleinen“ Streit. Denn generell gilt: Ein konfliktfreies Leben gibt es nicht!

 

Wie Du einen Konflikt „gewinnst“

– Bleib ruhig (auch wenn es Dir schwer fällt)

– Vermeide Formulierungen wie „Du musst / sollst / bist immer so und so“

– Hörst Du selbst diese Formulierungen, dann kontrolliere bewusst deine Emotionen (bleib ruhig!)

 

Der Schlüssel ist die Kommunikation. Die Kommunikation mit Dir selbst (inwiefern lässt Du es zu, dass Du provoziert wirst) und die Kommunikation mit Deinem Gegenüber. Marshall B. Rosenberg wurde als Kind ständig von anderen Kindern verprügelt, nur weil sein Name komisch klang. Er fragte sich, wieso sind manche Menschen aggressiver als andere und entwickelte so das Konzept Gewaltfreie Kommunikation (GFK).

Das Ziel der GFK ist es, dass sich Dein Gegenüber verstanden fühlt. Sobald das eintritt, geht eine eventuelle aggressive Haltung zurück. Sie lässt sich sogar ganz auflösen. Eine GFK hilft Dir dabei, Deine Position zu verteidigen, Dich klar und deutlich auszudrücken und gleichzeitig Empathie für Dein Gegenüber aufzubauen. Das Ergebnis ist eine gemeinsam geschaffene Ebene, auf die sich die Parteien geeinigt haben, ohne dies aussprechen zu müssen.

GFK

 

Verbale Kommunikation trennt oft.

Eine Studie der Universität Colorado untersuchte wie oft unterschiedliche Kulturen Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ benutzten und kam zu dem Ergebnis, dass es in den Kulturen, die diese Wörter häufiger benutzten, auch mehr gewaltsame Zwischenfälle gibt.

Diese Art der verurteilenden Sprache wird auch lebensentfremdende Kommunikation genannt und verantwortlich dafür, dass sich Menschen gewalttätig verhalten. Sei es sich selbst oder anderen gegenüber. Zusätzlich verliert man die Fähigkeit der Empathie. Empathie lässt sich fördern, aber eben auch „schrumpfen“.  Die lebensentfremdende Kommunikation ist erkennbar an trennenden Verhaltensweisen, wie beispielsweise die moralische Verurteilung. Dabei gehen wir automatisch davon aus, dass jemand, der nicht unsere Werte teilt und sich eben anders verhält als wir das tun würden, einfach „falsch“ liegen muss. Dabei haben wir subjektiv auch immer recht. Wenn dein Partner z.B. Aufmerksamkeit braucht, empfindest du ihn eventuell „anstrengend“. Wenn Du aber selbst mehr Aufmerksamkeit brauchst, ist er dann „gefühlskalt“ für Dich.

Die Hauptaussage der GFK ist, dass die Sprache unsere Beziehungen definiert. Deswegen versteht sich GFK als eine Sprache, die frei von Manipulation, Angst und Schuld ist. Die GFK besteht aus vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

 

Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

1.) In einer Konflikt-Situation solltest du zunächst einfach nur beobachten, ohne Emotionalität für das Beobachtete. Was passiert genau? Wie ist die Situation objektiv zu beschreiben?

2.) Im zweiten Schritt kommen dann deine Gefühle ins Spiel: Was löst diese Situation bei dir aus? Welches Gefühl herrscht vor? Macht sie Dich glücklich, traurig, wütend oder verwirrt sie Dich?

Es ist sehr wichtig, diese beiden Schritte zu trennen, denn normalerweise gehen wir beide Schritte (ganz automatisch) gleichzeitig.

3.) Im dritten Schritt identifizierst und formulierst Du Dein Bedürfnis. Dies machst Du erst für Dich. Dann erst …

4.) Im vierten Schritt formulierst Du Deine Bitte.

 

Ein Beispiel:

Du beschreibst die Situation („Du rufst nie an“) und was für Gefühle, das bei dir auslöst („Ich bin deswegen wütend“). Du erklärst dein Bedürfnis („Ich brauche das Gefühl, dass ich dazugehöre“) und richtest eine Bitte an dein Gegenüber („Könntest du mich öfter anrufen?“).

 

Es ist schwierig, eigene Gefühle von Beobachtungen zu trennen. Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti bezeichnete das „beobachten, ohne zu beurteilen“ als die höchste Form von Intelligenzleistung. Auch fällt es vielen Menschen schwer, ihre Verletzlichkeit auszudrücken. Gerade bei den vier Schritten der GFK öffnet man sich und rückt seine Gefühle aus. Je besser man einen emotionalen Zugang zu sich selbst hat, desto besser kann man auch mit anderen Menschen kommunizieren.

 

#BeBrave – und sprich klar und deutlich über Deine Gefühle.

 

Was löst dieser Satz bei Dir aus? Je nachdem, kennst Du Dich jetzt selbst ein wenig besser. Spürst Du einen Widerstand in Dir? Dann frag Dich wie Dein Zugang zu Dir selbst aussieht.

Spürst Du was anderes als Widerstand? Zum Beispiel „ja, das möchte ich gerne, aber ich kann nicht“? Dann probier es einfach einmal aus und beobachte(!) die Reaktionen deines Gegenübers und das Gesamtergebnis des Gesprächs. Du hast Angst davor über Deine Gefühle nachzudenken oder gar zu reden? Du brauchst keine Angst davor zu haben. Die Emotion ist Teil Deiner Identität. Ignorierst Du Sie, so ignorierst Du Dich selbst. Stell Dich Deiner Angst und schau ihr in die Augen …  just be brave!

Stell Dich Deiner Angst

 

Das Nächste Mal weißt Du, was zu tun ist. Sprich es aus! Sag, was du möchtest, nicht, was du nicht möchtest. Negative Formulierungen rufen eher Widerstand hervor und sind somit kontraproduktiv. Außerdem ist es wichtig, dass du deine Bitten so genau wie möglich formulierst. Damit der andere auch weiß, was er genau zu tun hat.

Die GFK hilft Dir dabei Dich selbst und andere besser zu verstehen. Die GFK beruht darauf, dass wir den anderen zuhören und immer versuchen herauszufinden, was die tatsächlichen Bedürfnisse sind. Was die Menschen tatsächlich brauchen, ist aber oft nicht das, von dem sie sagen, sie bräuchten es.

 

Die 3 wichtigsten Tipps

  • Achte auf Deine Emotionen
  • Achte auf Deine Formulierungen
  • Finde die tatsächlichen Bedürfnisse (Deine und die deines Gegenübers)

 

#BeBrave – und „streite“ gewaltfrei